Fuhrwerkerhaus
Der Retter des Wienerwaldes: Josef Schöffel

geb. am 29.7.1832 in Brünn (Tschechien),
† am 7.2.1910 in Mödling.
Journalist und Politiker. Vertrat als einer der ersten die Idee des Heimat- und Naturschutzes und verhinderte durch Artikel im "Wiener Tagblatt" von 1870 bis 1872 die Abholzung des Wienerwalds.

Volkskunde

Das Gebiet des heutigen Wienerwaldes hat sein Aussehen durch die Jahrhunderte hindurch immer wieder gewandelt. Die Menschen, die an der Gestaltung ihrer "Lebensorte" mitarbeiteten, veränderten sie auch im gleichen Maße, wirkten auf sie ein und verliehen ihnen ihre Individualität. So trägt jede Wienerwaldgemeinde heute ihr eigenes Gesicht, und doch gibt es Typisches - wie die Symbiose von Mensch und Wald - das alle miteinander verbindet. Eichgraben ist so eine Gemeinde, und daher gibt seine Geschichte auch Einblick in die Entwicklung dieses einzigartigen Gebietes.

Im ersten Ausstellungsraum wird der Besucher in die Historie des Ortes geführt. Hier wirft er einen Blick auf die erste urkundliche Erwähnung Eichgrabens, damals noch "Aichgrawe" genannt, und erblättert sich die Siedlungsentwicklung im Laufe der Jahrhunderte.

Die Hüttler
Dreifusspfanne 17 Jhdrt.

Entscheidenden Anteil daran hatten die Hüttler, deren karge Lebensbedingungen sichtbar gemacht werden. Diese begannen Mitte des 17. Jahrhunderts mit der Schlägerung großer Flächen des Wienerwaldes. Die Holzknechte kamen aus allen Teilen der Monarchie und Deutschland und lebten zunächst in primitiven, niedrigen Waldhütten, die ihnen den Namen "Duckhüttler" verliehen.

Schlachten und Krieg
Schaukasten "Die Türken 1683"

Soziale Not und Hunger bekamen aber nicht nur die Hüttler zu spüren. Während des Türkenkrieges 1683 und der Franzoseninvasion 1809, die für Eichgraben eine besonders blutrünstige Geschichte lieferte, verloren zahlreiche Menschen Haus und Hof oder gingen an darauffolgenden Epidemien wie der Pest zugrunde.

Der 2. Ausstellungsraum führt in das 20. Jahrhundert, das mit seiner Geschwindigkeit den Horizont erweiterte.

Sommerfrischen

Der Eisenbahnbau (Westbahn) veränderte das Gebiet von Grund auf. Nun zogen erholungshungrige Sommerfrischler aufs Land, Villen wurden gebaut, ein reges gesellschaftliches Leben begann. Die örtliche Bevölkerung traf auf die "Schönen Leut" aus der nahen Großstadt Wien.

Volkskundliche Sammlung

Die Mischung zwischen ländlicher und städtischer Lebensart zeigt sich auch bei den ausgestellten Objekten. Da findet man eine Tabakschneidemaschine neben einem Kühlschrank der ersten Stunde. Das Eis dafür wurde im Winter mit speziellen Werkzeugen aus Eisteichen herausgeschlagen und in Kühlkellern der großen Gastwirtschaften gelagert.

Der 2. Weltkrieg

Mit Einbruch des zweiten Weltkrieges nahm die Sommerfrische ein jähes Ende. Soldaten und Hitlerjungen zogen in Eichgraben ein und bereiteten sich in Lagern auf den Krieg vor. Gasmasken, Milchpulver und ein Tagebuch der Roten Armee sind die sichtbaren Überbleibsl einer lang verdrängten Epoche.

Zukunft

Der Blick in die Zukunft ist der Schul- und Jugendecke vorbehalten. Hier haben alle die Möglichkeit, ihre Visionen, Wünsche und Verbesserungsvorschläge für den Ort anzubringen. Eine Diashow zeigt, was bisher schon erarbeitet wurde.

Und so ist das Heimatmuseum ein Ort, an dem Generationen einander treffen, an dem Kennenlernen neu stattfindet. Ein Ort, der die Besucher anregt hinauszugehen, um etwas was Neues - Altes wieder für sich zu entdecken. Ein Ort, das Altes und Fremdgewordenes entschlüsselt und der auch für Experimente zur Verfügung steht. Ein Ort, der durch seine Besucher lebendig bleibt. Die Spurensuche kann beginnen...

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